Kartenspiele

Kartenspiele
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Kartenspiele sind und waren seit jeher Bestandteil des menschlichen Vergnügens. Egal, ob es sich dabei um ein kurzweiliges Spiel innerhalb der Familie, ein formales Turnier oder gar das große Geld im Casino handelt: Kein anderes Gesellschaftspiel erfreut sich derartiger Beliebtheit und besticht mit vergleichbarer Vielfalt. Viele Varianten – etwa Arschloch, Skip-Bo und UNO – gelten als familienfreunliche Unterhaltung, wohingegen Baccarat und Gin eher für die erwachsene Generation konzipiert wurden. Woher Kartenspiele ursprüngliche stammen und welche Grundarten man unterscheidet, soll der folgende Artikel deutlich machen.

Kartenspiele: Ein historischer Abriss

Die ersten Vorläufer der uns bekannten Kartenspiele entstanden vermutlich zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert im ostasiatischen Raum. Experten konnten nachweisen, dass in China und Korea frühe Formen von Spielkarten nachweisbar sind, die bis zum Anfang des 12. Jahrhunderts zurück datiert wurden. Es handelte sich hierbei um gefaltene Kartenstücke, die nur wenig Ähnlichkeit mit dem uns heute bekannten Blatt haben. Ausgehend vom asiatischen Raum verbreiteten sich die Spielkarten über Handelswege zuerst nach Indien, Persien und in die arabischen Teile der Erde, ehe sie im 14. Jahrhundert nach Europa gelangten. Die ersten europäischen Länder, die mit dem Kartenspiel in Berührung kamen, waren Frankreich und Italien – wohl aufgrund ihrer ausufernden Handelsbeziehungen mit dem Rest der Welt.

Spielkarten, wie sie uns heute geläufig sind, entstanden vermutlich erst zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert. Viele der Spiele, die sich noch heute größter Beliebtheit erfreuen, wurden im damaligen Frankreich konzipiert. Ab dem 17. Jahrhundert breiteten sich die Kartenspiele in weitere Regionen Europas aus, unter anderem ach nach Deutschland. Mit Ende des 18. Jahrhunderts entstanden erste „moderne“ Spielkarten, die mit Doppelkopf bedruckt waren. Ab dem 19. Jahrhundert ging man dazu über, auch die Rückseiten der Karten zu bedrucken; in frühen Versionen bediente man sich einer einfachen Marmorierung, später auch Punkt- und Strichmuster. Die typischen „Schottenkaros“, die heute noch gerne verwendet werden, wurden als letztes im ausgehenden 19. Jahrhundert entwickelt. Dies war auch die Zeit der großen Spiel Revolution: Bridge und Skat entstanden, Canasta und Rommé folgten im frühen 20. Jahrhundert folgten.

Das Kartenspiel im kulturellen Kontext

Wie viele zeitgenössische Vergnügungen, hielten auch Kartenspiele Einzug in die Bereiche Film, Kunst und Kultur. So schuf der französische Maler Paul Cézanne (1839 – 1906) mit seiner Serie „Die Kartenspieler“ eine Reihe von Gemälden, die heute als Wegbereiter des Kubismus gilt. Auf fünf Ölgemälden zeigt Cézanne Männer beim Kartenspiel; alle dargestellten Personen waren Cézanne persönlich bekannt, da es sich um Gutsarbeiter in Aix-en-Provence handelte, dem Landsitz von Cézannes Familie. Vier der Gemälde hängen in öffentlichen Museen, eines war bis zu seinem Tod im Privatbesitz von Georges Embiricos, einem griechischen Sammler. Der Kaufpreis jenes Gemäldes wird auf rund 275 Millionen US-Dollar geschätzt -; die zweithöchste Summe, die jemals für ein einzelnes Bild erzielt wurde.

Auch in Filmen wird das Kartenspiel gerne zum Thema gemacht. Die Liste der Beispiele ist mannigfach – sie reicht von „Rounders“, bei dem es um Pokern geht, über „21“ (Thematik: illegales Kartenzählen im Casino) bis hin zu „Die Geschichte vom Brandner Kaspar“, bei dem der Held den Tod im Kartenspiel austrickst.

In der Literatur gilt wohl „Der Spieler“ von Fjodor Dostojewski als berühmtestes Beispiel: Ein burlesker Lebensstil, die Sucht nach Glücksspielen – vornehmlich Karten und Roulette – sowie die alles beherrschenden Angst vor dem finanziellen Ruin sind die zentralen Themen dieses Jahrhundertwerks.

Das Kartenspiel: Allgemeine Eigenschaften und Regeln

Jedes Spiel verfügt über einen individuellen Ablauf und ein spezifisches Regelsystem; darüber hinaus gibt es jedoch universal gültige Eigenschaften, die alle Kartenspiele gemeinsam haben.

Bei einem formalen Spiel – etwa einem Turnier – wird zu Beginn des Spiels vom Spielleiter ausgelost, welcher Mitspieler welchen Platz einnimmt, wer als erster die Karten gibt und gegebenenfalls auch, zwischen welchen Personen Spielpartnerschaften geschlossen werden. Informelle Spiele zeichnen sich dadurch aus, dass die Mitspieler diese Regeln untereinander ausmachen; eine beliebte Methode ist der Münzwurf („wer gewinnt, fängt an“).

Zu Beginn jedes Spiele werden die Karten erst sorgfältig gemischt, dann wird vom abgehoben. In den meisten Spielen wird eine Karte pro Runde vergeben, manche Spiele bauen auf einem anderen System auf; so ist es etwa beim Schnapsen üblich, die Karten im Verhältnis drei und zwei auszuteilen. Gegeben wird im Uhrzeigersinn, der Geber erhält seine Karte immer als Letzer. Bei formalen Spielen dürfen die Karten erst nach Abschluss des Austeilens aufgenommen werden, bei informellen Spielen auch währenddessen. Die Spieler halten ihre Karten verdeckt, so dass jeder stets nur seine eigenen Karten kennt, nicht aber die seiner Mitspieler.

Über die Reihenfolge der Spieler herrscht in den meisten europäischen Ländern Einigkeiten: Gespielt wird im Uhrzeigersinn. Angefangen wird mittels der sogenannten „Vorhand“ – das bedeutet: bei jener Person, die links vom Geber sitzt. In manchen Spielen, etwa Bridge, eröffnet auch der Geber selbst. Nur ältere, sehr traditionsreiche Spiele verfolgen oft ein anderes System: Bei Kartenspielen mit italienischem oder spanischem Ursprung wird nicht im, sondern gegen den Uhrzeigersinn gespielt.

Die Mitspieler nehmen nacheinander ihre Karten auf. Üblicherweise wird pro Runde eine Karte vom Stapel gezogen.

Verschiedene Spielarten

Im Bereich des Kartenspiels unterscheidet man sieben verschiedene Sparten: Ablegespiele, Anlegespiele, Augenspiele, Raubspiele, Sammelspiele, Stichspiele und Wettspiele. Alle weiteren Spiele, die nicht in eine der vordefinierten Kategorien fallen, werden unter „sonstige“ subsummiert.

1. Ablegespiele

Das Ziel eines Ablegespiel ist es, die Handkarten möglichst schnell abzulegen. Farbe und Zahl der einzelnen Handkarten sind dabei ausschlaggebend; sie bestimmen, ob eine Karte auf den Stapel abgelegt werden darf oder nicht.

Bekannte Beispiele von Ablegespielen sind: Arschloch, Gin, Skip-Bo, Solo und UNO.

2. Anlegespiele

Das Ziel eines Anlegespiel ist es, alle verfügbaren Karten nach einem festen Schema anzulegen. Meistens erfolgt das Anlegen direkt auf dem Spieltisch, die Karten sind dabei offen einsehbar. Einige Anlegespiele – etwa Patience mit seinen zahlreichen Unterarten – werden solo gespielt, man tritt also „gegen sich selbst“ an.
Bekannte Beispiele von Ablegespielen sind: Fan Tan, verschiedenste Patience Spiele und Planetenspiel.

3. Augenspiele

Das Ziel eines Augenspiel ist es, möglichst viele „Augen“ – also Kartenpunkte – zu sammeln. Das Sammeln geschieht meist mittels Stechen der gegnerischen Karten.
Bekannte Beispiele von Augenspielen sind: Bauernschnapsen und Schnapsen, Canasta, Rommé und Tarock.

4. Raubspiele

Das Ziel eines Raubspiel ist es, möglichst viele der Karten, die offen auf dem Spieltisch liegen, mit Hilfe der eigenen Handkarten zu erbeuten.
Bekannte Beispiele von Raubspielen sind: Casino und Hurrican.

5. Sammelspiele

Das Ziel eines Sammelspiels ist es, möglichst viele Spielkarten oder eine bestimmte Anzahl von Kartenkombinationen zu erzielen. Das Ziel kann erreicht werden, indem entweder Karten vom Stapel abgehoben werden oder man sie (verdeckte) aus der Hand eines Mitspielers zieht.
Bekannte Beispiele von Sammelspielen sind: Bataille Royale, Quartett und Schwarzer Peter.

6. Stichspiele

Das Ziel eines Stichspiels ist es, möglichst viele Stiche zu erzielen. Die vorherige Nennung einzelner Karten – das sogenannte „Ansagen“ – kann den Spielverlauf maßgeblich beeinflussen.

Bekannte Beispiele von Stichspielen sind: Bridge, Skat und Préférance.

7. Wettspiele

Wettspiele nehmen eine Sonderstellung innerhalb des Kartenspiels ein. Die gängigsten Vertreter – Blackjack und Poker – haben auch in die Casinos der Welt Einzug gehalten, wo sie Roulette & Co. allmählich den Rang ablaufen. Das Ziel eines Wettspiels ist es, entweder eine möglichst hohe Punktzahl zu erzielen, oder an eine vorgegebene Punktezahl möglichst nahe heranzukommen.

Bekannte Beispiele von Wettspielen sind: Baccarat, Blackjack und Poker.

Das Kartenspiel als Glücksspiel

Als „Glücksspiel“ definiert man jene Spiele, deren Ausgang nicht nur vom Können des Spielers, sondern in großem Maß auch vom Zufall abhängt. Die ersten Vorläufer der Glücksspiele entstanden rund 3000 Jahre v. Chr. im antiken China; heute versteht man unter dem Begriff „Glücksspiel“ vor allem jene Spiele, die innerhalb eines Casinos, einer Spielbank oder einer Spielhalle angeboten werden.

Neben Roulette und Würfeln haben sich auf dem Glücksspiel Sektor vor allem Blackjack und Poker durchgesetzt; tatsächlich ist Blackjack das meist genutzte Kartenspiel innerhalb von Casinos. Aufgrund des großen Suchtpotentials gelten Glücksspiele in vielen Teilen des Welt als unmoralisch, mitunter werden sie sogar als kriminell eingestuft.