Gesellschaftsspiele

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Zu den drei großen Bereichen der Freizeitbeschäftigung gehören der Konsum von Medien, Sport und das Spiel. Miteinander spielen ist dabei ein äußerst vielschichtiger Begriff. Durch den nationalen und internationalen Austausch ist die Anzahl der Spiele sprunghaft gestiegen. Oft existiert ein Spiel unter verschiedenen Bezeichnungen und mit kleineren Abweichungen oder in diversen Variationen. Fortschritte in der Methodik und Didaktik der Erziehung haben die Spielewelt zusätzlich bereichert. Generell definiert sich Spiel als eine Tätigkeit der Freizeit, die von einer, meist aber mehreren Personen ausgeführt wird.

Auf eine lange Tradition schauen Kartenspiele zurück. Gemälde aus dem 17. Jh. zeigen bereits Kartenspieler. Die Ursprünge sind jedoch viel älter. Allerdings bedeutete auch für Kartenspiele der Fortschritt der Drucktechnik einen immensen Aufschwung. Für die meisten Kartenspiele gelten ähnliche Grundregeln: Vor dem Spiel wird der erste Geber ausgelost; dieser mischt die Karten und teilt sie einzeln und gleichmäßig an die Mitspieler aus, bei vielen Spielen werden nicht alle Karten ausgeteilt, sondern auch auf einem Kartenstoß aufgestapelt, von dem sich die Spieler im Verlauf des Spiels Karten nehmen können. Je nach Spiel werden die auf die Hand genommenen Karten im Verlauf des Spiels auf den Tisch aufgedeckt und miteinander verglichen. Wer den Stich, so nennen Kartenspieler die Karten, die von den Mitspielern auf dem Tisch gelegt wurden, gewinnt, nimmt ihn entweder auf oder legt ihn neben sich ab.

Zahlreiche einfache Kartenspiele sind – auch wenn sie mit dem klassischen französischen Blatt von der 2 bis zum Ass gespielt werden – auch für Kleinkinder geeignet. Zu den anspruchsvollen Kartenspielen gehören zum Beispiel Doppelkopf, Canasta, Bridge und Skat. Hierbei werden national und international Turniere ausgetragen. Beim Turnierskat etwa sind die Leistungsansprüche an die Spieler sehr hoch und man kann das Spiel durchaus als das Schach unter den Kartenspielen bezeichnen. Wobei sich die Regeln des Turnierskats von denen häufig in lockeren Runden gespieltem Skat darin unterscheiden, dass der Erfolg deutlich mehr von klugem Spiel, als von glücklich verteilten Karten abhängt.

Eine Eigenart des Skats ist selten bei Spielen zu finden: Zum Skat gehören drei Spieler, die vor dem eigentlichen Spiel durch ein Wortgefecht den Zuschlag für das Solospiel erstreiten. Dies wird Reizen genannt. Die beiden Verlierer des Reizens spielen gegen den Gewinner. Das heißt in der Praxis, dass alle drei bis fünf Minuten Spielpartner und -gegner wechseln – wahrlich ein Spiel für gesellige Leute!

Würfelspiele basieren nicht selten auf Grundregeln, die es auch bei Kartenspielen gibt. Kniffel bzw. Yahtzee ist so ein Spiel. Die Spielfiguren, die es zu erwürfeln gilt und für die es Punkte gibt, sind dem Poker oder auch Rommé entnommen. Da gibt es dann ebenso Straßen und Fullhouse. Mittlerweile sind auch etliche Würfelspiele im Umlauf, bei denen die Würfel von der klassischen Form – sechs Seiten, auf denen die Zahlen von 1 bis 6 so angeordnet sind, dass immer die beiden gegenüberliegenden Zahlenwerte 7 ergeben – abweichen. Dazu gehören zum Beispiel Würfel mit 10 oder noch mehr Seiten.

Wahrscheinlich die älteste Spielart, bei der ein irgendwie geartetes Spielgerät und ausgearbeitete Regeln Verwendung findet, ist vermutlich das Spiel mit Spielfiguren auf einem Brett. Die Klassiker sind eindeutig Schach, Dame, Backgammon, Mühle usw. Jedoch sind in neuerer Zeit viele neue Brettspiele dazu gekommen, die eine klare Abtrennung zwischen Gesellschaftsspielen und Brettspielen unmöglich machen. Dazu gehören etwa Mensch-ärgere-Dich-nicht, Monopoly und Scottland Yard, aber auch Das verrückte Labyrinth, Hotel und Spiel des Wissens. Absolut geistiger Höhepunkt der Spielewelt ist das bereits erwähnte Schachspiel, dass auf viele Jahrhunderte Tradition und unzählige Groß- und Weltmeister zurückschaut, die nicht selten neben der hervorragenden Spielbeherrschung auch mit einem illustren Leben von sich reden machten.

Der Begriff Puzzle fand bis vor wenigen Jahren eigentlich nur Verwendung für ein Bild, das in viele Teile zerlegt ist und zusammengesetzt werden muss. Für durchschnittlich begabte und geduldige Erwachsene sind Puzzles mit 500 bis 2000 Teilen interessant. Puzzlefans freuen sich dagegen auch mal über 10.000 Teile, eine Puzzle-Unterlage sowie einen Abstellplatz für das in Bau befindliche Spiel. Die Herstellung des Bildes kann schon mal Monate oder Jahre in Anspruch nehmen. 3D-Puzzles kommen oft mit weniger Teilen aus. Da können auch schon mal 150 Puzzleteile eine knifflige Angelegenheit sein. Bei Computerspielen hat sich der Begriff Puzzle auch bei den Spielen durchgesetzt, bei denen durch das Zusammenfügen von meist drei gleichen Objekten diese aus dem Spiel genommen werden. Alternativ werden diese Spiele auch gern den Actionspielen zugeordnet.

Wenn auch die meisten Spiele für mehrere Personen gedacht sind, so versteht man unter der Bezeichnung Gruppenspiele speziell Spiele, bei denen Gruppen gegeneinander antreten. Dabei werden unter Gruppen nicht gleich Mannschaften verstanden. Oft ist es zum Beispiel bei Kindergeburtstagen oder Zeltlagern sinnvoll, die Gruppe durch Spiele aufzulockern. Dabei ist es vor allem wichtig, an den Spaßfaktor für alle TeilnehmerInnen zu denken. Daher scheiden häufig auch Sportarten aus, bei denen etwa einige Teilnehmer durch Erfahrungen im Vereinssport im Vorteil sind. Praktisch sind Spielideen, wo alle Anwesenden mitmachen können, es weniger um körperliche oder geistige Fitness geht, sondern allein das miteinander Tun Freude vermittelt.

Dazu gehören auch Bewegungsspiele und Fangspiele sowie Geländespiele und Strandspiele. Hier ist es wichtig, dass die Veranstalter die räumlichen Gegebenheiten bzw. das Gelände mit in ihre Spielplanungen einbeziehen. Ein sehr beliebtes Gruppenspiel im Freien ist zum Beispiel die Schnitzeljagd, ein Klassiker unter den Gruppenspielen, der nicht nur Flexibilität bei der Vorbereitung, sondern auch variantenreiche Umsetzung erlaubt. Vom Grundprinzip her jagt eine Gruppe die andere. Dabei können beide Gruppen sowohl zu Fuß als auch mit dem Fahrrad unterwegs sein – je nach Umfang des Geländes. Ein Schnitzeljagd mit Autos ist auch denkbar, wird dann aber eher Autorallye genannt und muss sehr gründlich vorbereitet werden.

Bei der einfachen Schnitzeljagd legt die gejagte Gruppe Spuren, die zwar die Verfolger durch Verwirrungen in die Sackgasse führen und damit aufhalten dürfen, aber letztlich nicht im Unklaren darüber lassen, wo die Vorhut zu finden ist. Beispiel: In einer Siedlung gibt die gejagte Gruppe den Verfolgern durch Kreidepfeile auf der Straße Hinweise. Ein Pfeil zeigt in eine Sackgasse, an deren Ende ein Fußweg weiterführt. Erst kurz vor dem Fußweg zeigt ein Pfeil zurück und verrät damit, dass die Gejagten den ursprünglichen Weg weitergingen. Die Verfolger wissen, wie es weitergeht, haben aber Zeit verloren.

Zu den Fangspielen gehört etwa das Versteckenspielen in all seinen Variationen. Bewegungsspiele dienen bei Freizeiten und Kindergeburtstagen nicht nur der Auflockerung. Für die leitenden Erwachsenen sind sie auch ein Hilfe, gruppendynamische Prozesse zu fördern und die Aufgeregtheit und Unruhe in einer Gruppe durch körperliche Ertüchtigung bis hin zur Erschöpfung zu steuern. Viele Spiele sind bei Kindergeburtstagen für die Eltern des älterwerdenden Sprösslings auch einfach nur eine Möglichkeit, organisatorische Notwendigkeiten in den Griff zu bekommen. Zum Beispiel ist es leichter, die Kuchentafel aufzuheben und den Grillabend vorzubereiten, wenn die krakelende Meute auf dem nahegelegenden Spielplatz oder im Garten durch Fangspiele, Ballspiele oder sonstige Spiele der Bewegung in der freien Natur frönt.

Für Schnitzeljagd gilt wie für viele andere Spiele, dass sich die Mitspieler bereits ein wenig kennen. Um dies zu ermöglichen wurden eine Unzahl von Spielen ersonnen, die Kennenlernspiele. Sie sollen helfen, dass die TeilnehmerInnen einander kennenlernen, also das fremde Gesicht mit dem richtigen Namen verbinden können. Immer wieder ist eine typische Reaktion auf den Vorschlag eines Kennenlernspiels die verbale Ablehnung. Andererseits tragen die meisten derartigen Spiele wirklich dazu bei, dass die TeilnehmerInnen wissen, wer sonst noch zur Gruppe gehört und wie die Person heißt. Dies ist vor allem von Bedeutung, wenn man sich in Umgebungen befindet, wo auch andere Gruppen gastieren, etwa in Jugendgästehäusern oder in Bildungseinrichtugen. Durch die Kennenlernspiele wird schon mal die Sicherheit vermittelt, bei Situationen außerhalb der Gruppe zu wissen, wer zur eigenen Gruppe gehört.

Eine ganz andere Richtung schlagen Gewinnspiele und Geldspiele ein. Hierbei wird unter geringem eigenen Einsatz auf den großen Gewinn gehofft. Dies gilt sowohl für Lotterien als auch für Glücksspiele. Ein einfaches Beispiel wäre etwa der Einsatz einer geringen Summe für das erfolgreiche Würfeln. Werden mit 3 Würfeln mehr als 15 Punkte erreicht, so gibt es einen Preis. Wer für Freizeiten oder Kindergeburtstage genügend Zeit der Vorbereitung hat, kann ein aufwändiges Gewinnspiel selbst aufziehen. Gegenstände, die man als Gewinne bzw. Preise anbieten kann, erhält man häufig, wenn man durch eine Einkaufszeile geht und in den Geschäften nach kostenlosen Waren fragt, zum Beispiel Probefläschchen Parfüm usw. Geldgeschenke könnten dann den vorderen Plätzen vorbehalten bleiben.

Eher in den Bereich Partyspiele fällt zum Beispiel die Idee, dass zu einem gemeinsam verbrachten Weihnachtsfest oder zu Sylvester jeder Besucher ein Geschenk einpackt. Hinein gehört irgendwas mit einem geringen Wert, das aber brauchbar ist, beispielsweise eine CD, die man selbst nicht mag, oder ein Küchengerät, das nutzlos und noch original verpackt im Schrank steht. Auf der Party gibt es dann zahlreiche Möglichkeiten, mit lustigen Spielen für die gerechte und überraschende Zuordnung der Geschenke zu sorgen. Für Partyspiele gilt Ähnliches wie für Spiele bei Freizeiten mit Kindern und Jugendlichen: Am meisten Freude bereiten sie allen Teilnehmern, wenn auch alle daran Spaß haben und nicht einige aufgrund eingeschränkter Möglichkeiten ausgegrenzt werden.

Zu den Klassikern im Bereich Partyspiele gehören sicher Blinde Kuh und Reise nach Rom, das auch unter den Namen Reise nach Jerusalem, Stuhltanz oder Sesseltanz bekannt ist und als Abzählreim auch bei Freizeiten Verwendung findet. Eine bei Kindern sehr beliebte Variante heißt Obstsalat.